Mein Leben

Meine Erfahrungen nach 33 Jahren unschuldig in Haft

Von außen betrachtet ist mein Leben für viele ein Albtraum. 33 Jahre im Gefängnis — für eine Tat, die ich nicht begangen habe. Mit 19 Jahren in die Isolation, mit 53 Jahren in die mögliche Freiheit. Aber ich weigere mich zu akzeptieren, dass mein Leben bis zum heutigen Tag eine Katastrophe sein soll — dass die drei Jahrzehnte hinter Gittern wirklich nur verlorene Zeit waren. Ich habe nicht nur die Feuerprobe des US-Strafvollzugs überlebt, sondern mich auch noch aus den körperlichen und geistigen Menschenkäfigen freigekämpft. Dieses Fundament macht es mir möglich, anderen Menschen, die sich ebenfalls in ausweglosen Situationen befinden, zu helfen. Wenn mir das in Zukunft gelingt, sind die 33 Jahre im Gefängnis kein Albtraum mehr, sondern ein Schatz, den ich teilen möchte.

Mein Leben und Leiden bekommen einen Sinn und einen Wert.

„So schockierend Jens Sörings Fall auch ist, mich schockiert er nicht mehr. So etwas passiert in den USA ständig. Hier sitzen tausende unschuldige Menschen im Gefängnis. Jetzt hat Jens das Allerwichtigste erreicht: Er ist frei; er ist einem furchtbaren Gefängnissystem entkommen. Er hat hoffentlich noch viele gute Jahre vor sich.“

John Grisham
Bestseller-Autor und ehem. Strafverteidiger, Vorstand des Innocence Project

EXPERTEN

Juristen, Ermittler, Politiker, Wissenschaftler & Aktivisten zum Fall Söring

Mein Anwalt Steven D. Rosenfield mit den DNA Testergebnissen, die letztlich zu meiner Entlassung führten.

Am 21. Juni 1990 wurde ich in Bedford County, US-Bundesstaat Virginia, zu zwei lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Doch in den folgenden Jahrzehnten wuchsen immer mehr Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Prozesses sowie des Urteils. Letztlich wurde ich am 25. November 2019 auf Bewährung entlassen — ohne offizieller Anerkennung meiner Unschuld. In den letzten drei Jahren vor meiner Entlassung befassten sich immer mehr Experten mit meinem Fall: Juristen, Ermittler, Politiker, Wissenschaftler und Aktivisten. Auf dieser Seite meiner Webseite möchte ich sie in ihren eigenen Worten sprechen lassen, damit Leser sich eine Meinung zu meinem Fall bilden können.

„Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifele an denen, die sie gefunden haben.“

André Gide

COACH

„Wahrheit gibt es nur zu zweien.“

Hannah Arendt

Nach der Veröffentlichung meines siebten Buchs, „Rückkehr ins Leben“, erhielt ich viele Anfragen von Menschen, die mit mir sprechen wollten. Manche suchten individuelle Krisen- und Lebensberatung, andere Tipps und Taktiken für bestimmte Situationen, wiederum andere ein Kamingespräch im kleinen Kreis. Zuerst dachte ich, dieses Interesse würde bald abebben, aber im Gegenteil: Immer mehr Mails trafen und treffen ein. Natürlich freut und ehrt es mich, dass so viele Menschen mir ihr Vertrauen schenken. Noch mehr freut es mich, dass ich hier und dort aus meiner Lebenserfahrung neue Impulse geben kann. Ich sehe mich selber nicht als Coach im üblichen Sinn, sondern als Wegbegleiter, der selber oft strauchelte — und trotzdem nie aufgab.

„Die Fähigkeit, das Wort ‚Nein‘ auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit.“

Nicholas Chamfort

Speaker

Freiheit und Hoffnung in Notlagen und Krisen

Wegen der Corona-Pandemie, die zwei Monate nach meiner Entlassung begann, hatte ich bisher nur wenige Möglichkeiten, öffentlich über meine Erfahrungen zu sprechen. Doch selbst bei diesen seltenen Gelegenheiten merkte ich, dass großes Interesse an meinem Überlebenskampf hinter Gittern bestand. Offen und frei über verschiedene Themen zu sprechen war für mich keine neue Erfahrung, nur die Zuhörer waren anders. Im Gefängnis führte ich zeitweilig einen Tai Chi Kurs, eine Meditationsgruppe und die katholische Glaubensgemeinschaft. Dabei musste ich Mördern und Vergewaltigern chinesische Bewegungskunst, die Konzentration auf den Atem und die sieben Sakramente vermitteln. Wer vor solch einem Publikum reüssiert, bekommt keine Bühnenangst mehr. Um Freiheit und Hoffnung geht es mir auch jetzt. Ich habe unter härtesten Bedingungen lernen müssen, wie man körperlich, emotional und geistig überlebt — und wie man sich aus scheinbar ausweglosen Situationen freikämpft. Dieses Wissen will ich nun Menschen in dieser Welt vermitteln.

Autor

Zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Mein erstes Buch wurde 2003 veröffentlicht, es folgten sechs weitere und vier Übersetzungen. Sie handeln von der Meditation, Justizreform, Befreiungstheologie und natürlich auch meinem Fall. Kein einfacher Weg in der gefährlichen Welt des amerikanischen Strafvollzugs. Für mein zweites Buch wurde ich sechs Wochen in die Strafzellen verlegt, weil ich das US-Gefängnissystem öffentlich kritisiert hatte, das dritte gewann sogar einen Literaturpreis. Meine schriftstellerische Arbeit war und bleibt ein zentraler Pfeiler meines Überlebens- und Freiheitskampfs. Bei der Meditation ging es mir um die innere Freiheit, bei der Kritik am Justizsystem um die äußere. Mein siebtes Buch, „Rückkehr ins Leben“, handelt von dem ersten Jahr nach meiner Entlassung 2019. Darin beschreibe ich Erlebnisse, die die meisten Menschen als alltäglich empfinden, für mich jedoch vollkommen neu sind: das Gefühl von Regen auf meiner Haut, die Umarmungen von Freunden. Immer wieder werde ich dabei von Erinnerungen an meine Haftzeit eingeholt und muss einen Weg zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft finden.

Newsroom

Aktuelle Veranstaltungen, Termine & Veröffentlichungen

INTERVIEW

Freiheit habe ich jetzt, Gerechtigkeit nicht”

Der Spiegel, 17. September 2021

Rund drei Jahrzehnte saß Jens Söring in den USA im Gefängnis – und beteuerte stets seine Unschuld. Nun versucht er, sich ein neues Leben aufzubauen. Wie gelingt ihm das?

PODCAST

Precht – 33 Jahre Haft!

Podcast mit Jens Söring und Richard David Precht

Jetzt online verfügbar

Seit eineinhalb Jahren ist Söring wieder in Deutschland und spricht darüber, welchen Blick er heute nach 33 Jahren im Ausland auf das Land wirft und welche Vorstellungen er von seiner Zukunft hat.

TV Sendung

Autor Jens Söring

zu Gast in der NDR Talk Show

Freitag, 24. September 2021

Jens Söring erzählt, wie er die 33 Jahre im Gefängnis im Bewusstsein der Ungerechtigkeit erlebt hat, wie es ihm in seinem ersten Jahr in Freiheit ergangen ist und wie er sich seine Zukunft vorstellt.

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